29/10/2026 0 Kommentare
Kreissynode: Reformdruck, Gegenwind und Zuversicht
Kreissynode: Reformdruck, Gegenwind und Zuversicht
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Kreissynode: Reformdruck, Gegenwind und Zuversicht
Der Umgang mit kirchlichen Gebäuden, die Gründung eines Zweckverbandes für die Kirchenmusik und zunehmende Anfeindungen gegen die Kirche prägten die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Kirchhain am 22. Oktober im Martin-Luther-Haus.


Zu Beginn der diesjährigen Herbstsynode gedachten die Synodalen des verstorbenen Pfarrers Thomas Peters, der in der Frühjahrssynode in den Kirchenkreisvorstand gewählt worden war und nur eine Woche danach überraschend verstarb. Der Synodalvorsitzende Dr. Jens Ried (links) ehrte ihn als einen überzeugten Christen, der seine Überzeugung nicht nur artikulieren, sondern die man an seinem Leben auch ablesen konnte. Als Nachfolger wählte die Synode nun Pfarrer Konrad Draude (rechts) in den Kirchenkreisvorstand.
Heller warnt vor zunehmenden Anfeindungen
Dekan Jens Heller schilderte in seinem Bericht eine gesellschaftliche Debattenkultur, in der der Ton rauer werde und kirchliche Stellungnahmen zunehmend heftige Reaktionen auslösten. Als Beispiel nannte er einen Beitrag von Bischöfin Dr. Beate Hofmann, die im Umfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegen Spaltung geworben hatte. In den sozialen Medien sei darauf mit massiven Angriffen reagiert worden. Ein Kommentar habe Kirchen als „die schlimmsten Hetzer gegen Bürger und Christen“ bezeichnet.
Heller warnte davor, dass die Kirche aus Sorge vor solchen Reaktionen ihren gesellschaftlichen Auftrag vernachlässige. Auch die Diskussion über Krisenvorsorge – z.B. durch Weiterbildung in der Seelsorge – werde schnell ideologisch geführt. Nach Schilderung seiner Reise nach Estland, bei der die Vorbereitung auf mögliche Krisensituationen Thema war, plädierte er für einen sachlichen Umgang auch mit einem solchen Thema. Vorsorge bedeute nicht, einen Krieg zu befürworten, sondern Verantwortung zu übernehmen auch im Krisenfall, so Heller.
Die Worte des Dekans unterstrich Probst Dr. Volker Mantey bei seinen Grußworten: In einer Welt, in der es immer mehr darum ginge, Aufmerksamkeit zu generieren, statt zuzuhören und das Recht des Stärkeren die Rechtstaatlichkeit verdränge, würden Christinnen und Christen gebraucht.
Gebäude und Finanzen bleiben große Herausforderungen

Die Synode befasste sich weiterhin mit einem Entwurf zu Leitlinien in Gebäudefragen. Auch hier warb Dekan Heller um einen konstruktiven Dialog. Der gemeinsam mit dem Kirchenkreis Marburg erarbeitete Leitlinienentwurf beschreibt die Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen und soll den Gemeinden helfen, frühzeitig tragfähige Lösungen für ihre Gebäude zu entwickeln. Die im letzten Jahr geplante Einteilung nach einem Ampelsystem gilt nicht mehr, da dieses in den Gemeinden öfters für Missverständnisse gesorgt hat. Die Liste der Gebäude, die zukünftig noch Baumittel erhalten können, wurde vor einem Jahr verabschiedet und ist nun gültig. Zugleich wird die Höhe der Zuschüsse zu einzelnen Maßnahmen zukünftig geringer werden, wodurch höhere Eigenanteile auf die Gemeinden zukommen oder Fremdfinanzierungen gefunden werden müssen. Deshalb sollen laut Heller auch immer Kooperationen mit Kommunen, Vereinen und anderen Partnern geprüft werden.
Beim Jahresabschluss 2025 konnte der Kirchenkreis einen Überschuss von rund 590.000 Euro verbuchen, der aufgrund der erheblichen künftigen Belastungen den Rücklagen zugeführt wurde. Der Überschuss entstand laut Dr. Jens Ried, der die Zahlen als Vorsitzender des Finanzausschusses vorstellte, vor allem durch einmalige oder nicht regelmäßig anfallende Effekte im Haushaltsjahr und sei deshalb nicht mit einem dauerhaft höheren finanziellen Spielraum gleichzusetzen. Ein großer Teil davon entsteht durch die Zurückhaltung bei der Zuweisung von Baumitteln durch die sich verändernden Entwicklungen.
Zweckverband für Kirchenmusik und Präventionsarbeit

Bezirkskantorin Annemarie Göttsche erläutert
den Zweckverband Kirchenmusik.
Mit einem neuen und von der Synode verabschiedeten Zweckverband gemeinsam mit dem Kirchenkreis Marburg soll die Verwaltung nebenamtlicher Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker vereinfacht werden. Bislang entstehen bei Einsätzen in mehreren Kirchengemeinden zahlreiche einzelne Beschäftigungsverhältnisse, die aufwendig vertraglich verwaltet werden müssen. Der Zweckverband soll die Beschäftigungen bündeln und die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden erleichtern. Der Beitritt bleibt für sie freiwillig.
Auch die Prävention gegen sexualisierte Gewalt war Thema des Berichts des Dekans. Heller berichtete von einer Betroffenen, die sich Jahrzehnte nach erlittenen Übergriffen an den Kirchenkreis gewandt hatte. Künftig soll sie selbst an Schulungen mitwirken und ihre Erfahrungen schildern. Der Kirchenkreis entwickelt sein Schutzkonzept weiter und hat bald mit Janneke Daub eine zweite Multiplikatorin.
Vielfältiges Gemeindeleben trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Zum Abschluss der Synode verwies Heller auf das vielfältige Gemeindeleben mit Gottesdiensten, Konzerten, Tauffesten sowie Angeboten für Kinder, Jugendliche und Ehrenamtliche. Eine Bilderschau mit Eindrücken zeigte die Vielfalt des Gemeindelebens. Diese Arbeit zeige, dass kirchliches Leben auch unter schwierigen Bedingungen lebendig bleibe und Menschen erreiche. Zugleich müsse sich die Kirche den notwendigen Veränderungen stellen, ohne ihren Auftrag und ihre Zuversicht zu verlieren.
Text und Bilder: Frank Wagner
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