Kennenlerncafé in Sterzhausen - Dieses Mal gibt es mehr über die Kultur des Iran zu erfahren

Kennenlerncafé in Sterzhausen - Dieses Mal gibt es mehr über die Kultur des Iran zu erfahren

Kennenlerncafé in Sterzhausen - Dieses Mal gibt es mehr über die Kultur des Iran zu erfahren

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Kennenlerncafé in Sterzhausen - Dieses Mal gibt es mehr über die Kultur des Iran zu erfahren

Seine Nachbarn kennenlernen – in Sterzhausen kann man das nicht nur, was die Nachbarn direkt nebenan betrifft, sondern auch die Nachbarn ein bisschen weiter weg, aus anderen Ländern. In regelmäßigen Abständen findet ein Kennenlerncafé in den Gemeinderäumen der evangelischen Kirche statt. Die sollen damit Orte der Vielfalt werden und Menschen näher zusammenbringen. Jedes Mal steht ein anderes Land im Mittelpunkt und am kommenden Sonntag wird das der Iran sein.

„Ich komme aus einer großen Familie und wir waren jedes Wochenende bei den Großeltern, es war immer etwas los“, sagt Sakineh Khavari. Die Gemeinschaft, die Gastfreundschaft – daran denkt sie als erstes, wenn sie an ihre Heimat denkt. Die 34-Jährige hat sechs Brüder und drei Schwestern, alle älter als sie selbst. Bis auf eine Schwester leben alle im Iran. Sie ist 2014 mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen. Inzwischen wohnt sie nicht mehr in Sterzhausen, sondern in Wetter. Aber als Mehmet Kirok vom Projekt „Dritte Orte“ angefragt hat, ob sie nicht mal beim Kennenlerncafé dabei sein möchte, hat sie sofort ja gesagt.

„Dritte Orte“ ist ein Förderprogramm, das seit mehreren Jahren läuft in der Kirchengemeinde Sterzhausen-Caldern läuft – unterstützt unter anderem von der „Aktion Mensch“ und dem Innovationsfonds der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Ziel des Programms ist es, die kulturelle Infrastruktur im ländlichen Raum zu stärken. Die Idee eines Kennenlerncafés setzt bei den Ressourcen an, die vor Ort vorhanden sind: bei den Menschen, die im Lahntal leben, aber aus unterschiedlichen Regionen der Welt kommen.

Hier kooperiert die Kirchengemeinde mit dem Kulturverein „Krafts Hof“, der regelmäßig zum Dorfcafé als Generationentreffpunkt einlädt. Das Kennenlerncafé ist sozusagen eine besondere Variante des Dorfcafés, in der der Schwerpunkt auf kultureller Verständigung liegt. Der Rahmen soll ein bewusst möglichst niedrigschwelliges Angebot sein, sagt der Vereinsvorsitzende Michael Meinel. „Die Menschen sollen sich ganz ungezwungen begegnen können“, so Meinel. Das sei für Menschen unterschiedlichen Alters ebenso wichtig wie für Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft, so die Organisatoren. „Unser Ziel ist, dass sich niemand allein fühlt“, betont Mehmet Kirok. Alle Menschen sollen Unterstützung bekommen – egal woher sie kommen, welche Sprache sie sprechen oder wie ihre Lebenssituation ist.

„Wir möchten, dass die Menschen sich als Nachbarn begegnen können, voneinander lernen und sich so vielleicht ein bisschen weniger fremd werden“, erklärt Pfarrer Jonathan Schwarz. Dass es trotz aller Unterschiede zwischen Kulturen und auch Religionen immer wieder Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte gibt, erlebt auch Sakineh Khavari. Und sei es die Tatsache, dass sowohl in der christlichen wie auch in der muslimischen Welt gefastet wird. Das Essen ist eines der Themen, die beim Kennenlerncafé eine Rolle spielen. Meistens bereiten die Menschen, die etwas über ihr Land erzählen, auch etwas zu essen vor.

Sakineh Khavari plant, „Ghormeh Sabzi“ zuzubereiten – einen Klassiker der persischen Küche, ein Eintopf mit Kräutern und natürlich Reis. Der ist die Basis für viele Gerichte im Iran. Unter anderem auch für ein Dessert mit Zucker, Rosenwasser und Safran, von dem Sakineh schwärmt. Sie selbst darf erst nach Einbruch der Dunkelheit das Fasten brechen, aber alle Gäste sind an diesem Nachmittag herzlich eingeladen, auch geschmacklich etwas aus ihrer Heimat zu erleben. Sie möchte Politisches und die aktuelle Situation bewusst außenvor lassen und sich auf die Kultur konzentrieren bei ihrem kurzen Vortrag und zum Beispiel etwas über das persische Neujahrsfest „Nowruz“ erzählen, das im Frühjahr stattfindet.

Einen großen Unterschied zwischen ihrer alten und neuen Heimat sieht die 34-Jährige im Umgang der Menschen miteinander. „Hier haben viele eine große Wohnung, sind darin aber oft allein.“ Ihr ist es wichtig, sich in der Gemeinschaft einzubringen. Die gelernte Kosmetikerin spricht inzwischen sehr gut Deutsch und arbeitet in der Schulbetreuung in Goßfelden. Sie hat einen sechsjährigen Sohn, der für sie auch der Hauptgrund ist, nicht in ihre Heimat zurückzukehren. „Er hat dort keine Zukunft“, sagt Sakina. Sie freut sich auf die Begegnungen und Gespräche mit den Menschen im Café. Die Räumlichkeiten kennt sie noch gut von ihrer Zeit in Sterzhausen.

Das Kennenlerncafé ist ein Ansatzpunkt für mehr Miteinander innerhalb des Projekts „Dritte Orte“. Um weiter auszuloten, was die Menschen tatsächlich konkret brauchen, ist unter anderem eine Projektwerkstatt Ende März geplant. Dort sollen alle ihre Wünsche und Ideen einbringen können. Es soll künftig unter anderem einen Spiele-, einen Koch- und einen Wandertreff geben. Eine Kunstausstellung und eine Müllsammelaktion sind auch bereits in Planung, verrät Pfarrer Jonathan Schwarz.

Er hat die Kirchengemeinde und damit auch das Projekt im vergangenen Jahr mit seiner Frau Birte zusammen übernommen. Freiwillige und Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen: Nachbarschaften leben vom Mitmachen. Deshalb hoffen alle auch auf viele Besucherinnen und Besucher im Kennenlerncafé am kommenden Sonntag, den 8. März. Von 15 bis 17 Uhr stelle Sakineh Khavari ihr Heimatland Iran in den Gemeinderäumen in Sterzhausen (Oberdorfer Straße 14) vor. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

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