16/01/2026 0 Kommentare
Der Spiel(t)raum ist ausgeträumt - Pläne zur Sanierung der ehemaligen Herrenwaldkirche in Stadtallendorf lassen sich nicht umsetzen
Der Spiel(t)raum ist ausgeträumt - Pläne zur Sanierung der ehemaligen Herrenwaldkirche in Stadtallendorf lassen sich nicht umsetzen
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Der Spiel(t)raum ist ausgeträumt - Pläne zur Sanierung der ehemaligen Herrenwaldkirche in Stadtallendorf lassen sich nicht umsetzen
Wo früher einmal Gottesdienst gefeiert wurde, hatten in den vergangenen zwölf Jahren Kinder und Jugendliche einen Ort zum Spielen, Menschen einen Ort der Begegnung: Die ehemalige Herrenwaldkirche in Stadtallendorf diente nach ihrer Entwidmung 2013 der christlich-sozialen Jugendorganisation „Jumpers“ als Familienzentrum „ConAct“. Und die Hoffnung war groß, die Geschichte weiterzuschreiben. Dazu wäre allerdings eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes nötig gewesen. Die ist aufgrund zu hoher Kosten aber nicht zu stemmen.
Eine Skate-Anlage und ein riesiges Klettergerüst, ein Tischkicker und ein ganzer Fuhrpark an Bobbycars – so wurde das, was einmal Kirchenraum war, zu einem großen Indoor-Spielplatz und brachte neuen, anderen Segen für die Menschen in Stadtallendorf. Ein "Spiel(t)raum". Damit ist nun zum 31. März Schluss. Die Pläne, mit verschiedenen Akteuren und einem gemeinsamen Trägerverein ein Leuchtturmprojekt für den Kirchenkreis und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) zu realisieren, lassen sich nicht verwirklichen. „Das ist eine ganz bittere Erfahrung für mich“, sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann bei ihrem Besuch in Stadtallendorf in dieser Woche.
Sie hatte die von Pfarrerin Katrin Rathmann entwickelte Idee der „Spielkirche“ 2020 kennengelernt und begeistert die Schirmherrschaft übernommen – und hat nun sogar persönlich „Klinken“ geputzt bei Stiftungen, um Gelder einzuwerben, wie sie erzählte. Aber alle Bemühungen, eine Sanierung des Gebäudes zu finanzieren, sind gescheitert. Im vergangenen Jahr habe man die Entscheidung treffen müssen, dass es nicht weitergehen könne mit der geplanten Nutzung der ehemaligen Kirche, erklärt Gemeindepfarrer Thomas Peters.
Ein Trägerverein hatte sich gründen wollen, um neben „Jumpers“ weitere Akteure ins Boot zu holen und religionspädagogische Angebote machen zu können. Die Familienbildungsstätte (fbs) wollte eine Außenstelle einrichten und die Sprachkurse, die sich etabliert haben, sollten ebenfalls weitergeführt werden. All das kann nun nicht umgesetzt werden – schlicht und ergreifend, weil das Geld zur nötigen Sanierung fehlt. Bei einer ersten Kostenschätzung 2021 sei man noch von rund 2,6 Millionen Euro ausgegangen, so Thomas Peters. Schnell war aber klar, dass es fast doppelt so viel kosten würde, die ehemalige Herrenwaldkirche zu sanieren.
Am Ende standen 4,36 Millionen Euro auf dem Papier, die man hätte aufbringen müssen. Eine Summe von gut 700.000 Euro aus dem Investitionsfonds der Landeskirche für das Projekt Spielkirche hatte die Kirchengemeinde bereits erhalten, allerdings wurde im vergangenen Jahr ein Antrag der Städtebauförderung abgelehnt. „Das war der Knackpunkt“, erklärt Peters. Man habe „Jumpers“ das Gebäude zur Verfügung gestellt, mit allen Rechten und Pflichten. Genau denen kann die Organisation allein aber nicht nachkommen. „Schwersten Herzens“ wird sie die Arbeit deshalb zum 31. März beenden, sagt „Jumpers“-Geschäftsführer Thorsten Riewesell.
Die Hoffnung sei aber groß, dass es an anderer Stelle im Stadtteil weitergehe. „Wir können eigentlich auch hier nicht weg“, erklärte Riewesell bei einem Pressegespräch. „Es ist zu viel an Vertrauen und an Miteinander gewachsen.“ Insgesamt 300 Menschen haben das Gebäude und die komplett kostenlosen Angebote jede Woche genutzt – nicht nur für Kinder und Jugendliche war es ein Ort der Begegnung, auch für die Erwachsenen. „Das Projekt hat geholfen, Barrieren abzubauen“, bestätigt der ehemalige Dekan des Kirchenkreises Kirchhain Hermann Köhler, der die Projektleitung auch in seinem Ruhestand weiterführte.
Der Kirchenkreis hatte sich nach der Entwidmung der Kirche und dem Einzug von „Jumpers“ mit einem großen Indoor-Spielplatz und vielfältigen Angeboten mit der Finanzierung einer halben Jugendarbeitsstelle beteiligt. Und auch Köhler hat bis zum Schluss gehofft, dass es eine Lösung für die Zukunft geben könnte. Für Bischöfin Dr. Beate Hofmann ist die Entwicklung eine Geschichte des Scheiterns ebenso wie eine Lerngeschichte, wie sie erläuterte. „Wir haben zum Beispiel viel gelernt, was die Projektsteuerung mit verschiedenen Akteuren angeht.“
Die zentrale Erkenntnis sei, dass Gebäude eben irgendwann einmal an ihr Ende kommen. Die Frage aber bleibe: Was passiert dann mit ihnen? Und: Was passiert mit kirchlichen Gebäuden generell? Damit beschäftigen sich die Kirchengemeinden des Kirchenkreises derzeit genau wie überall in der EKKW. Nur noch 30 Prozent der kirchlichen Gebäude werden künftig antragsberechtigt sein, wenn es um Baumaßnahmen geht. Für Bischöfin Dr. Beate Hofmann ist klar: „Die Sakralität eines Gebäudes liegt in seiner Nutzung, nicht in den Steinen, aus denen es gebaut ist“. Ihrer Ansicht nach muss sich mit diesen Fragen aber nicht nur die Kirche beschäftigen, sondern die gesamte Gesellschaft. Am Wochenende nimmt sie an einem Kongress teil, bei dem es genau darum gehen wird. Neben grundsätzlichen Entscheidungen im Blick auf Denkmalschutz und den Erhalt von Kirchen als Kulturdenkmälern müsse aber für jedes Gebäude auch einzeln entschieden werden, welche Nutzungen zukünftig möglich sind. Und was die ehemalige Herrenwaldkirche in Stadtallendorf angeht, wünscht sie sich, dass der bestehende Denkmalschutz aufgehoben werden könne. Dann wäre ein Neubau für ein Stadtteilzentrum mit unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzern möglich. Stattdessen droht aber nun der Leerstand.
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