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Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst
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Gedanken zur Jahreslosung 2018 von Dekan Hermann Köhler

 

Als Jurin Gagarin im Jahre 1961 als Astronaut mit einem Raumschiff die Erde umkreiste und mit ihm zum ersten Mal ein Mensch unseren Heimatplanten aus dem Weltraum erblickte, da sah  er einen herrlichen blauen Planeten mit großen Wolken aus Wasserdampf.

Von Weltraum aus gesehen, hat man den Eindruck, der blaue Planet Erde besteht fast ausschließlich nur aus Wasser.

Das ist auch beinahe richtig, immerhin  bedeckt das Wasser ¾ der Erdoberfläche.  Ohne Wasser würde es auf unserer Erde kein Leben geben. Doch ist das Wasser  auf der Erde sehr ungleich verteilt. Einige Gebiete erhalten manchmal zu viel Niederschlag, das führt zu fürchterlichen Überschwemmungen, andere haben zu wenig Regen und folglich immer wiederkehrende Dürreperioden.

Und Wasser ist nicht gleich Wasser.  Sauberes Trinkwasser ist  nur in sehr begrenztem Maß vorhanden. Der Hauptgrund dafür ist, dass das Wasser auf der Erde fast ausschließlich als Salzwasser vorkommt. Nur drei Prozent aller Wasservorräte auf der Erde ist Frischwasser, davon ist noch ein großer Teil tief unter der Erdoberfläche verborgen oder in den polaren Eismassen eingefroren. Von dem restlichen Süßwasser, das dem Menschen zur Verfügung steht, ist wiederum ein großer Teil so verschmutzt, dass es nicht zum Trinken geeignet ist.

Wenn wir in Deutschland frisches Wasser brauchen, dann drehen wir den Wasserhahn auf und schon kommt es uns in bester Trinkqualität entgegen gelaufen.

Das ist in vielen Teilen der Welt nicht so.  Nbotu ,ein zehnjähriges Mädchen aus dem Sudan erzählt:  „Jeden Tag gehe ich einmal am Morgen zwei Stunden zur Wasserquelle hin und zwei Stunden wieder zurück und dann am Nachmittag nochmals. Das Wassertragen ist die Aufgabe von uns Mädchen. Dieses Wasser muss reichen für meine Eltern,  meine Großmutter, für mich und meine fünf Brüder und Schwestern. Das Wasser trage ich in einem Eimer auf dem Kopf. In diesem Behälter haben etwa 15 Liter Platz. Das reicht zum Trinken und Kochen. Wenn wir einen Brunnen im Dorf hätten, könnte ich vielleicht wieder zur Schule gehen.“

Die Wasserknappheit trifft vor allem die Länder Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Am schlimmsten  ist die Situation in den ländlichen Regionen: Das knappe Wasser muss dort oft von weit entfernten Quellen geholt werden. Die diesjährige Spendenaktion von Brot für die Welt macht das zum Thema und sammelt im Jahr 2018 unter dem Motto „Wasser für alle“. Dabei geht es darum neue Brunnen zu finanzieren oder das Regenwasser so aufzubereiten, dass es für die Menschen in sauberen Zustand nutzbar ist.

Wasser für alle, das ist ein Ziel, das noch lange nicht erreicht ist, fast 700 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeder dritte Mensch auf dieser Erde lebt ohne sanitäre Einrichtungen.

Während in Deutschland die Versorgung mit Trinkwasser überwiegend in kommunaler Hand liegt, wittern internationale Konzerne in anderen Teilen der Welt ein lukratives Geschäft für die Zukunft. So erwerben sie beispielsweise, wo immer es möglich ist, Trinkwasserquellen und fangen das Wasser in seinen Ursprungsgebieten auf, um es in Flaschen zu füllen. Die Folge: Der Grundwasserspiegel ganzer Regionen sinkt. Die dort lebenden Menschen müssen nun künftig das Wasser, das ihnen normalerweise in der Natur frei zur Verfügung stände, teuer in Flaschen erwerben. Der Zugang zu sauberem Wasser wird damit zu einer Frage des Geldes.

Deshalb gibt es seit langem die Forderung, dass Wasser nicht zu einer Handelsware werden darf, mit der man womöglich an der Börse spekuliert.

Wasser ist Leben. Wasser, der elementarste Stoff dieser Erde, der uns Menschen das Leben und Überleben sichert, gehört allen. So wie das Leben selbst, von Gott gegeben.

Die Bibel weiß um diese elementare Bedeutung des Wassers. Und um den Durst des Menschen nach Wasser und Leben. Am Anfang der Schöpfungsgeschichte wird als allererstes Wasser und als zweites  Licht genannt. Beides sind die zentralen Voraussetzungen der Schöpfung von Leben. Wasser und auch Licht spielt deshalb in vielen anderen biblischen Texten eine fundamentale Rolle.

„Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht“ heißt es in Psalm 36. Und Psalm1 formuliert:

Der Mensch, der sich an Gott hält, der ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist.

Oder Sie alle kennen Psalm 23, wo es heißt:  er führet mich zum frischen Wasser, er erquicket meine Seele.

D.h. Mit Gott in Verbindung stehen, mit dem Ursprung des Lebens verbunden sein, in seinem Lichte zu leben, das heißt die Quelle kennen und lebendiges Wasser aus der Quelle schöpfen, den Durst stillen.

Noch ein letztes Bibelzitat: Jesus sagt im Johannesevangelium nicht nur „ich bin das Licht der Welt“, er sagt auch:

Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

Joh 4,14

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich, wenn ich viel zu tun habe, nicht darauf achte, ausreichend viel Wasser über den Tag verteilt zu trinken, meist merke ich das erst, wenn ich Kopfschmerzen bekomme oder wenn mir leicht schwindelig wird. 2-3 Liter pro Tag sollen wir Menschen an Flüssigkeit zu uns nehmen, damit es uns gut geht. Wenn man weiß, dass unser Körper zu 70 Prozent aus Wasser besteht, wundert mich das nicht. Nicht nur mit dem Blut fließt Wasser durch unsere Adern, auch unsere Zellen sind gefüllt mit Wasser. D.h. mit meinen 80 Kilo Körpergewicht bestehe ich aus 56 Kilogramm reinem Wasser. Und dieses Wasser macht mein Leben aus, es bedeutet nicht nur Leben, es ist Leben. Wenn mein Leben zuende geht, weicht das Wasser und mein Körper zerfällt zu trockenem Staub.

Die Bibel beginnt im Schöpfungsbericht mit Wasser als Voraussetzung für alles Leben, sie erinnert in vielen ihren Schriften an Gott als die ewigen Quelle allen Lebens und sie verweist auch in ihrem letzten Buch der Offenbarung auf das lebendige Wasser als Ausblick auf ein zukünftige Leben in Gottes Gegenwart.

Und so heißt es in  Offenbarung 21: Gott spricht, ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Das ist die verheißungsvolle Jahreslosung für dieses neue Jahr.

Gott spricht hier von der Zukunft für uns Menschen, die er in der Hand hat. Dazu gehört, dass aller Durst nach Leben gestillt werden wird. Klares, frisches, kühles Wasser, direkt aus der Quelle – bedingungslos für alle Menschen – ohne Unterschiede. Keiner wird sich dort mehr behindernd dazwischen schieben, um etwa mitzuverdienen am Bedürfnis nach Leben. Keiner wird mehr aus Macht- oder Profitinteressen das Leben anderer Menschen einschränken. Lebendiges Wasser umsonst - Wasser und Leben für alle. Es ist wirklich ein Blick in einen neuen Himmel: Wo vorher an vielen Orten der Welt ein Strom der Tränen floss, sprudelt jetzt die Quelle des lebendigen Wassers. Als Christen haben wir diese Verheißung von Gottes Reich als eine Zukunftsvision, auf die wir als Ziel zugehen. Als Christen haben wir aber auch den Auftrag, jetzt schon an dieser Zukunft Gottes mitzuwirken. Deshalb gibt es christliche Organisationen wie Brot für die Welt, die dazu beitragen wollen, dass das von Gott geschenkte Leben für alle Menschen auf dieser Welt möglich wird.

Deshalb Wasser für alle, ohne Einschränkung,

gesundes, sauberes und erquickendes Wasser des Lebens für alle. Gott will unseren Durst stillen, den körperlichen und den seelischen, in der Bibel wie auch in unserem Leben gehört beides zusammen.

Amen.

 

 

 Abbildung: https://www.verlagambirnbach.de Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen